(Danke an den Tropen Verlag für das digitale Rezensionsexemplar von Die Farbe des Schattens. Meine Meinung bleibt natürlich wie immer völlig ehrlich.)

“Gegen den Zufall sind wir vollkommen machtlos. Ist das so? Nein!”

Zufall führte mich zu Susanne Tägders Roman Die Farbe des Schattens. Eine Freundin fragte, ob ich sie zur Lesung im Rahmen des Kriminaltangos in Neunkirchen (Saar) begleiten möchte. Da ich bei Krimis immer sofort am Start bin, sagte ich zu – und ich wurde nicht enttäuscht.

Inhalt & Story

Die Handlung spielt im Winter 1992 in einem fiktiven Ort in Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Jahre nach der Wende ist das Leben der Menschen noch immer stark geprägt vom Umbruch. Kommissar Arno Groth wird mit dem Verschwinden des elfjährigen Matti Beck konfrontiert. Das ganze Viertel sucht verzweifelt nach dem Jungen, doch zunächst gibt es keinerlei Spuren.

Obwohl es sich um den zweiten Band einer Reihe handelt, kann Die Farbe des Schattens problemlos als Einzelband gelesen werden. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, wichtige Hintergrundinformationen zu verpassen. Auch Rückblicke auf Groths Vergangenheit lassen sich gut nachvollziehen und in die Handlung einordnen.

Über 200 Seiten lang gibt es keine Hinweise auf den Täter, dennoch schafft es Susanne Tägder, die Leserschaft von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Meine eigene Theorie – basierend auf meinem Wissen aus meiner Masterarbeit – erwies sich als völlig falsch, was zeigt, dass ein spannender Krimi nicht nach Lehrbuch geschrieben sein muss.

Charaktere

Arno Groth ist ein sehr nahbarer Kommissar. Er ist aus Hamburg nach Wechtershagen zurückgekehrt und findet in der kleinen Stadt seine Heimat wieder. Für ihn stehen die Menschen im Mittelpunkt, nicht nur der schnelle Fahndungserfolg.

Neben Groth lernen wir die Taxifahrerin Ina und ihren Sohn Benno kennen. Dieser Nebenstrang ist geschickt eingeflochten, bringt zusätzliche Tiefe in die Geschichte und nimmt der Handlung zu keinem Zeitpunkt die Spannung. Besonders schön fand ich, wie die Autorin die kleinen Alltagsmomente beschreibt: die Fahrten durch das verschneite Dorf, die Gespräche der Nachbarn, das Leben, das trotz des tragischen Falls weitergeht. Diese Details machen das Buch besonders lebendig.

Der Autorin gelingt es, die Charaktere lebendig und glaubwürdig zu gestalten. Man spürt, dass sie ihre Figuren liebt und gleichzeitig spannende, realistische Situationen für sie erschafft. Auch die Wechsel zwischen Spannung und ruhigeren Passagen wirken sehr ausgewogen.

Authentizität & Hintergrund

Besonders spannend: Der Roman basiert auf realen Fällen aus den 1980er Jahren. Susanne Tägder hat für die Lesung verraten, dass sie das Viertel, in dem die Fälle geschahen, persönlich besichtigt hat. Diese Detailtreue macht die Geschichte noch authentischer und vermittelt ein lebendiges Bild der damaligen Zeit.

Die Kombination aus gut recherchierten Fakten und fiktiver Handlung schafft eine dichte Atmosphäre, die den Leser mitten ins Geschehen zieht. Man spürt die Kälte des Winters, die Unruhe im Viertel und die emotionale Tiefe der betroffenen Familien.

Fazit

Mit Die Farbe des Schattens ist Susanne Tägder ein Krimi gelungen, der sowohl Krimi-Fans als auch Leser:innen von gesellschaftlichen Romanen begeistert. Die Kombination aus packender Spannung, gut gezeichneten Charakteren und authentischem Setting macht das Buch zu einem echten Highlight.

Wer True Crime mag, wird den Roman besonders spannend finden – aber auch Liebhaber von atmosphärischen, gut recherchierten Geschichten werden auf ihre Kosten kommen. Ein Roman, der noch lange im Gedächtnis bleibt und über die Seiten hinaus wirkt.

Weitere Rezensionen findet ihr auch auf meinem Blog.

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