Zuletzt aktualisiert am 1. Januar 2026

(Danke an dtv für das digitale Rezensionsexemplar von “Bookishly Ever After”. Meine Meinung bleibt natürlich wie immer völlig ehrlich.)

“Cash über Community, Moneten über Menschlichkeit, Bruttoumsatz über Bücher”

Zwei Buchhandlungen, ein Ziel – und jede Menge Konkurrenzdruck: Eigentlich lief alles ganz friedlich, bis Sam Dickens die Buchhandlung direkt um die Ecke von Lexi Austens Laden übernimmt. Von da an ist Schluss mit der stillen Nachbarschaftsromantik. Bookishly Ever After von Mia Page entführt uns nach Washington D.C. und erzählt die Geschichte zweier Menschen, die einander das Leben schwer machen – und dabei viel über sich selbst lernen könnten.

Inhalt & Story

Ich muss ehrlich sagen: Ich hab mir mit Bookishly Ever After etwas schwergetan. Die Geschichte war für mich kein Pageturner wie Pumpkin Spice Latte Disaster oder Die Farben des Schattens. Klar, bei einer RomCom erwarte ich keinen Thriller, aber ein bisschen mehr Spannung hätte der Handlung gutgetan.
Dabei hat das Setting wirklich Potenzial: Zwei Buchhandlungen, ein charmantes Viertel, leichtes Stadtflair – eigentlich alles, was ich liebe. Doch nach dem ersten Viertel hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte ihr Pulver verschossen hat. Es passiert kaum etwas Neues. Die Konflikte wiederholen sich, und an manchen Stellen war ich versucht, ein paar Seiten zu überspringen.

Was mich aber gehalten hat, war der Humor. Ich liebe diesen trockenen britischen Witz, der sich wie ein stilles Augenzwinkern durch die Dialoge zieht. Dieses kleine Spiel zwischen Sarkasmus und Charme ist genau mein Ding – und rettet Bookishly Ever After für mich vor der völligen Mittelmäßigkeit. Britischer Humor trifft auf amerikanischen Ehrgeiz – das fasst den Vibe ziemlich gut zusammen.

Was mir allerdings fehlte, war Tiefe. Die Geschichte kratzt ständig an Themen, die spannend gewesen wären: Selbstzweifel, beruflicher Druck, Versagensangst – aber sie geht nie wirklich hinein. Gerade Lexis innerer Konflikt, ihre Unsicherheit und das Gefühl, nicht gut genug zu sein, hätten so viel Raum für Emotionen geboten. Stattdessen bleibt alles an der Oberfläche.

Charaktere & Entwicklung

Normalerweise finde ich in jedem Buch eine Figur, in der ich mich wiedererkenne – manchmal ist es die Hauptfigur, manchmal eine Nebenrolle, manchmal nur jemand, der eine einzige gute Szene hat. In Bookishly Ever After blieb ich leider suchend zurück.

Lexi wirkte auf mich oft hilflos. Sie liebt Bücher, keine Frage – aber Leidenschaft allein reicht eben nicht, um eine Buchhandlung zu führen. Sie gibt Sam die Schuld für ihren Misserfolg, anstatt sich zu fragen, warum ihre eigene Strategie nicht funktioniert. Das machte sie für mich weniger sympathisch, weil sie sich zu sehr in dieser Opferrolle einrichtet.

Sam hingegen hat alles, was man für eine charmante RomCom-Figur erwarten könnte: Charme, Witz, ein bisschen Tiefgang. Und trotzdem… hat’s nicht Klick gemacht. Vielleicht, weil sein Schmerz zu groß, zu oft betont, zu melodramatisch war. Ich mag emotionale Männer, aber bei Sam hatte ich das Gefühl, dass er doppelt leidet, während Lexi einfach nur trotzig bleibt.

Was schade ist, denn das Zusammenspiel der beiden hätte wunderbar sein können. Rivalität, Wortgefechte, unterschwellige Anziehung – eigentlich perfektes RomCom-Material! Aber genau da bleibt Bookishly Ever After hinter seinen Möglichkeiten. Statt funkelndem Schlagabtausch bekommt man eher Missverständnisse, Selbstmitleid und Wiederholungen.

Schreibstil & Atmosphäre

Mia Page schreibt flüssig, charmant und mit einem leichten Augenzwinkern. Ihr Stil liest sich angenehm weg – so, als würde man einer Freundin beim Erzählen zuhören. Besonders ihre Beschreibungen von Buchhandlungen, Leseliebe und kleinen Alltagsmomenten haben für mich wunderbar funktioniert. Man spürt, dass sie Bücher liebt und das in jede Seite legt.

Was mir allerdings gefehlt hat, war das Gefühl, wirklich dabei zu sein. Die Emotionen bleiben etwas gedämpft, fast so, als würde man durchs Schaufenster auf die Geschichte blicken, statt mitten drin zu stehen. Ich wollte mit Lexi lachen, mit Sam mitfiebern – aber die Distanz zwischen mir und den Figuren blieb. Trotzdem: sprachlich ist das Ganze leicht, charmant und mit einem Hauch britischer Eleganz erzählt. Für mich ein Stil, den ich grundsätzlich sehr mag – nur eben diesmal inhaltlich nicht ganz auf meiner Wellenlänge.

Fazit

Bookishly Ever After ist keine Katastrophe, aber auch kein Highlight. Es ist das Buch, das du liest, wenn du etwas Ruhiges brauchst, das nicht zu viel fordert. Eine nette Geschichte für zwischendurch – mit Charme, aber ohne Wow-Effekt.

Der Humor punktet, das Setting ist schön, die Idee hat Potenzial. Aber die Figuren bleiben blass und die Handlung vorhersehbar. Wer britischen Humor mag, findet hier sicher ein paar unterhaltsame Stunden. Wer allerdings Tiefgang oder prickelnde Chemie sucht, wird eher enttäuscht sein.

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